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Kunst im Kosmos

Unzählige Studierende pauken in der ETH-Bibliothek und recherchieren in ihrem Archiv. Weniger bekannt ist, dass in ihren Sammlungen auch Schätze liegen, die man eher in Museen vermuten würde – unter anderem Kunswerke auf Papier von Albrecht Dürer bis Andy Warhol.

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Graphische Sammlung der ETH-Bibliothek

Was sich Hochschule nennt, braucht ein «Kupferstichkabinett» – das befand Johann Gottfried Kinkel, der dritte Professor für Kunstgeschichte und Archäologie der ETH. Mit dem Ankauf von 11’000 Blättern aus der Sammlung des Malers Rudolf Bühlmann startete die Graphische Sammlung der ETH 1867. Ende der 1890er-Jahre erhielt sie eine Schenkung von Heinrich Schulthess-von Meiss, die knapp 12’000 herausragende druckgrafische Werke vom 15. – 18. Jahrhundert umfasst. Seither hat die ETH-Bibliothek weitere Schenkungen aus privater Hand erhalten, aber auch geschickte Zukäufe getätigt. 

Heute zählen rund 160’000 zumeist hochkarätige Werke auf Papier vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart zu ihrem Bestand. Sie umfasst Werke von Albrecht Dürer, Rembrandt, Francisco de Goya, Pablo Picasso, Andy Warhol, Louise Bourgeois und Miriam Cahn. Ihre Strahlkraft reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. 

Vom Holzschnitt bis zur Computerkunst: Die Favoriten aus 500 Jahren Grafikgeschichte? Dr. Linda Schädler, Leiterin der Graphischen Sammlung der ETH, stellt drei davon vor.

Albrecht Dürer

Rhinocerus, 1515
Holzschnitt 24,3 × 30,8 cm
Inv.-Nr. D 13’000

Im Mai 1515 kam ein Nashorn per Schiff in einem Vorort von Lissabon an. Auch wenn Albrecht Dürer nicht live dabei war, vernahm er aus einem Brief und einer Zeichnung von dem exotischen Tier. Sogleich setzte er es so gut wie möglich um. Fällt etwas auf? Das Horn zwischen den Schultern war frei erfunden!

Henri de Toulouse-Lautrec 

Mlle Lender, 1895
Lithografie 37,0 × 27,7 cm 
Inv.-Nr. D 1’308

Bei dieser Lithografie war für jede Farbe ein separater Druckvorgang nötig. Toulouse-Lautrec musste deshalb akribisch genau arbeiten. Das Blatt erschien im September 1895 in der neuen Berliner Zeitschrift Pan. Einer der Gründer, Julius Meier-Graefe, wollte Deutschland die französische Kunst näherbringen. Doch bei den Financiers stiess das Werk auf Widerstand: viel zu freizügig!

Vera Molnar

Lettres de ma mère
Blatt aus dem gleichnamigen Mappenwerk, 1990 
Siebdruck 32,0 × 42,0 cm
Inv.-Nr. 2’022.17.2

Jede Woche erhielt Vera Molnar einen Brief von ihrer ­Mutter. Hier imitierte sie deren Handschrift und transferierte sie in eine Computerzeichnung. Molnar gilt als eine Pionierin in diesem Bereich: Zwischen 1974 und 1976 entwickelte sie mit ihrem Mann das Computerprogramm «Molnart».