illustration

Weltstar Müesli

Was heute in hippen Cafés von Los Angeles bis Tokio als «Muesli Bowl» und «Overnight Oats» serviert wird, hat
in einem Zürcher Sanatorium begonnen. Der Arzt und Ernährungsreformer Maximilian Oskar Bircher-Benner erfand das Birchermüesli vor rund 125 Jahren. Im Originalrezept möchte es aber kaum mehr jemand essen.

location map

Müesli-Magie

Bircher-Benner war seiner Zeit weit voraus. Er stellte fest, dass Patientinnen und Patienten, die sich von frischem Obst, Gemüse und Vollkorn ernährten, schneller genasen. Darauf entwickelte er in seinem Sanatorium «Lebendige Kraft» am Zürichberg eine einfache Mahlzeit aus rohen Äpfeln, die er «Spys» nannte. Bircher-Benner war überzeugt, dass Rohkost eine besondere Kraft enthält. Seine Apfelspeise war mehr als eine Mahlzeit – ein Stück Gesundheitsphilosophie.

Weltruhm erlangte jedoch nicht das ursprüngliche Birchermüesli, sondern die unzähligen Neuinterpretationen, die schlicht «Müesli» heissen. Sie trugen zugleich ein Schweizer Dialektwort – Züritüütsch? – in die Welt hinaus. Dass es vielerorts an der korrekten Aussprache mangelt und aus dem Müesli ein Müsli wird, darf grosszügig überhört werden.

Müesli-Sommelière

Der Winterthurerin Dafine Brühwiler ist es egal, wie man das Wort ausspricht. Die ärztlich geprüfte ganzheitliche Gesundheitsberaterin liebt Müesli und bietet unter anderem Müesli-Bowl-Kurse an. In ihren Kursen legt sie besonderen Wert auf rohes Getreide. 

«Es kann geflockt oder geschrotet, aber auf keinen Fall erhitzt werden. Durch die Hitze werden die Vitalstoffe massiv reduziert, Ballaststoffe gehen sogar ganz verloren. Den Nüssen, ebenfalls Bestandteil des Müeslis, entzieht man durch Rösten und Erhitzen die gesunden Fette», erklärt die Gesundheitsberaterin. Wie Bircher-Benner weicht Dafine Brühwiler das Getreide über Nacht ein. «Durch die Feuchtigkeit startet der Fermentierungsprozess der Körner, was sie leichter verdaulich macht», so Brühwiler. Auch die Verarbeitung des Apfels übernimmt die Expertin vom Müeslipionier. Einzig für die gezuckerte Kondensmilch kann sie sich nicht begeistern. «Bei mir kommt Biorahm ins Müesli. Mit diesem Müesli decke ich vierzig Prozent des Tagesbedarfs an Vitalstoffen ab.» En Guete!

Das Birchermüesli- Originalrezept für eine Person

  • 1 Esslöffel Haferflocken in 3 Esslöffel Wasser über Nacht eingeweicht

  • 1 Esslöffel gezuckerte Kondensmilch

  • Saft einer halben Zitrone

  • 2 – 3 kleine oder 1 grosser Apfel samt Schale und Kerngehäuse

  • 1 Esslöffel geriebene Nüsse

Birchermüesli à la Dafine

  • 3 EL keimfähiges Getreide nach Wahl: Nackthafer, Weizen, Roggen, Gerste, Hirse usw.

  • 1 geriebener Apfel und als Option frische saisonale Früchte

  • 1 – 2 EL Vollfett-Biorahm (vegane Alternative: 1 TL Mandelmus oder Cashewmus)

  • 1 Handvoll Haselnüsse, Mandeln, Walnüsse, Macadamianüsse, Erdnüsse, Paranüsse usw.

Optional für mehr Aroma und Vitalstoffe:
  • Chiasamen, Kürbiskerne, Leinsamen, Sesam, Sonnenblumenkerne,
    Hanfsamen usw.

  • Zimt, gemahlene Vanille, rohes Kakaopulver oder Kakaonibs, natives, kalt gepresstes Öl (z. B. Leinöl, Hanföl, Schwarzkümmelöl)